Andacht

Liebe Freunde und Geschwister,

Die Salat-Theorie

Ich weiß nicht, ob Ihr schon von der „Salat-Theorie“ gehört habt. Ich auch nicht, bis zum Juni dieses Jahres, als ich an einer Konferenz zum Thema Minderheiten im Nordirak teilgenommen habe.

Einer der Referenten hat diese Theorie vorgetragen und sie hat mir gefallen. Sie besagt: „Die einzelnen Komponenten in einem Salat sollten noch erkennbar bleiben. Wir wollen keine Gemüsesuppe.“ Bezogen auf den Nordirak wollte er aufzeigen wie wichtig es ist, dass jede Minderheit eine gewisse Eigenständigkeit und Identität behalten sollte, um als Minderheit noch erkennbar zu bleiben. Ähnlich wie bei einem gemischten Salat macht die Unterschiedlichkeit der Zutaten den Salat aus. Wenn wir alles mit dem Mixer zusammenmixen, dann verliert der Salat seinen Reichtum und wird ein Einheitsbrei.

Da dachte ich, ein schönes Bild auch für die Vielfalt unter uns Christen. Wir sind ein bunter Salat von unterschiedlichen Lebensgeschichten, Lebensentwürfe und Lebensziele. Wie kann das Miteinander funktionieren?

Ein Vers von Johann Amos Comenius kann uns weiterhelfen:

Das höchste Gesetz der Eintracht unter den Christen ist ein dreifaches:

In allem Notwendigen ganz und gar Einigkeit halten, (1)

in den weniger notwendigen Stücken Freiheit gewähren, (2)

in allen Stücken gegenüber jedermann Liebe walten lassen. (3)

(1)       Welche sind die Grundsätze in unserem Zusammenleben, an denen wir festhalten wollen und die wir auch nicht einfach aufgeben können. Glaubensgrundsätze, Wahrheiten … wo gilt es zu ringen und zu kämpfen, um die Einheit zu wahren.

(2)       Wo sind Dinge, um die es sich nicht zu streiten lohnt, weil sie vielleicht nebensächlich, kleinlich oder traditionell sind. Persönliche Eigenheiten, Stärken, Schwächen, Charakteren, Hobbies … Wo sollte ich meinem Mitchristen einfach die Freiheit geben, die ich mir selbst auch wünsche, und ihn nicht mit meinem Salatmixer bearbeiten, um Einheitsbrei aus unserer Gemeinschaft zu machen.

(3)       Die Liebe ist das richtige Mittel, um den richtigen Ton und die richtige Reaktion zu finden; nicht überzureagieren, aber auch nicht gleichgültig zu werden.

Wir werden aus dieser Spannung nicht entlassen. Ob das in einer Gemeinschaft wie dem AJC ist, in einer Freundschaft, einer Ehe. Um Wahrheiten zu ringen, aber auch meinem Mitmenschen seine Eigenständigkeit, vielleicht auch manche Eigenarten zuzugestehen. Dort wo wir einen Einheitsbrei produzieren, wird es fade und geschmacklos. Die Liebe, die Jesus uns schenkt, kann uns helfen das richtige Maß zu erkennen.

Ich wünsche uns, dass wir ein bunter Salat sind mit einem guten Dressing.

Matthias Schüttler