Andacht

Liebe AJCler und Freunde,

 

 

 

Ein brennendes Lagerfeuer

„‘Wo gehen wir hin?‘, fragte sich Petrus. Sie waren weit in den Norden gewandert, an die Grenze zur Provinz Syrien. Hier lebten nur wenige Juden, man kannte Jesus nicht, sie wurden in Ruhe gelassen. Aber obwohl sich jeder der Jünger die gleiche Frage stellte – Petrus sah es an ihren Blicken –, wagte keiner, den Meister zu fragen.

Der leuchtend weiße Marmortempel zu Ehren des Kaisers war weithin zu sehen, er thronte als römisches Machtsymbol über Paneas. In der Stadt und der Region herrschte der Tetrarch Philippus, er hatte Paneas zu Cäsarea Philippi umbenannt, zu Philippus‘ ‚Stadt des Kaisers‘.

Sie wanderten die Straße hinauf, die bis nach Damaskus führte. Rechts und links schmiegten sich die Dörfer an die Hänge und syrische Baalstempel protzten mit ihren hohen Eingangsportalen. Petrus fühlte sich fremd in diesem Landstrich.

Zur Mittagszeit zogen sie sich in den Schatten eines alten Olivenbaumes zurück und rasteten. Jesus war still, er wirkte angespannt. Mit einem Stock malte er im Sand der Straße, während sie unter dem Baum im kargen Gras lagerten. Petrus trank ein paar Schlucke aus dem Wasserschlauch. Das kühle Nass tat ihm gut.

Plötzlich sah Jesus hoch und musterte ihn. ‚Wer bin ich?‘, fragte er. Er sah nach Petrus auch die anderen an, bei jedem verharrte er einen Moment.“[1]

[1] Müller, Titus. Der den Sturm stillt. Begegnungen mit Jesus. Asslar: Gerth Medien, 2015. S. 65-66.

 

So oder so ähnlich können wir uns die Situation vorstellen, als Jesus seine Jünger die entscheidende Frage stellte: „Wer bin ich?“.

Neulich wurde ausgewählten Personen im GD2 in Blaufelden die gleiche Frage gestellt: „Wer ist Jesus für dich?“. Die Antwort von einer Frau hat mich besonders bewegt. Sinngemäß sagte sie:

Jesus und die Beziehung zu Jesus ist für mich wie ein Lagerfeuer. Es strahlt Wärme aus, gibt mir Geborgenheit und Kraft und ich kann mich dort erholen. Außerdem trifft man Gleichgesinnte am Lagerfeuer, mit denen man sich unterhalten, austauschen und sich gegenseitig stärken kann. Trotzdem ist die Beziehung zu Jesus aber auch wie ein Feuer, das immer wieder angeschürt werden muss. Ich muss immer wieder Holz nachlegen, damit es nicht erlischt.

Wow. Das hat mich echt berührt. Meine Antwort wäre vermutlich „Jesus ist der Retter der Welt, der mir den Zugang zum Ewigen Leben ermöglicht“ gewesen. Klar, das ist auch absolut richtig. Das ist auch das, was Petrus geantwortet hat:

„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16).

Trotzdem fand ich den Fokus, den diese Frau in allererster Linie auf Jesus und auf ihre Beziehung zu Jesus hat, beeindruckend. Jesus tut ihr gut. Und zwar nicht erst in der Ewigkeit, sondern hier und jetzt. Wir können zu ihm kommen, weil er sich unserer Gedanken und Sorgen annimmt. Wir brauchen nicht warten, bis er in seiner Herrlichkeit wiederkommt, denn er ist schon jetzt bei uns. Wir können uns jederzeit an sein Lagerfeuer setzen und uns wärmen.

Er beschenkt uns. Aber gleichzeitig ist es wichtig, dass wir dieses Feuer auch am Leben halten. Gottes Liebe und Fürsorge kann mich nur halb so stark erreichen, wenn ich mich vom Feuer entferne und es ausgehen lasse. Toll, dass wir bei der Gemeinschaft mit Gott immer wieder andere treffen, durch die wir ermutigt werden können, unser Feuer am Brennen zu halten.

Euer Johannes „Hannes“ Kormeier